Sonntag, 3. Februar 2013

Das Leistungsschutzrecht und Social Media Monitoring

Auch die Analyse der Social Media Kommunikation ist vom Leistungsschutzrecht betroffen. Das war wohl auch das ausschlaggebende Argument von valuescope einen Artikel über das Leistungsschutzrecht zu veröffentlichen. Als ich den folgenden Tweet von Anna gelesen habe dachte ich, cool jetzt beschäftigt sich auch mal ein Social Media Monitoring Anbieter mit dem Thema.
Als ich den Artikel gelesen habe, war ich allerdings schwer enttäuscht. In dem Beitrag steht:
"Valuescope wäre hiervon mit seinen Dienstleistungen "Valuefeeds" (themenspezifische Nachrichtenaggreagation) und möglicherweise "VS360" (Filterung spezifischer Informationen) sowie "Web Analyzer" (Social Media Monitoring) ebenfalls betroffen."

Wer jetzt vermutet das erklärt wird, welche Konsequenzen das Leistungsschutzrecht für das Monitoring von Social Media hat, wird enttäuscht. Dabei wäre doch genau das wirklich interessant.

Statt dessen wird aufgelistet, wie viele Beiträge zu dem Thema auf den verschiedenen Social Media Plattformen veröffentlicht worden sind. Ja, das ist auch wichtig und das sollte man auch analysieren, aber dann doch bitte auch mit der nötigen Tiefe. Da steht dann im Artikel geschrieben
"Unsere Quellenanalyse zeigt, dass insbesondere Twitter das gewählte Medium ist, um sich zum Leistungsschutzrecht zu äußern. Über 11.000 deutschsprachige Tweets wurden dazu veröffentlicht."
Das ist ja schön, dass so viele Beiträge auf Twitter das Thema Leistungsschutzrecht beinhalten. Für mich wäre jetzt aber wichtig zu wissen, wie viele Tweets davon auf einen Blog- oder Zeitungsartikel verlinken. Dann wäre es natürlich schön zu wissen, welche Artikel über das Leistungsschutzrecht am häufigsten auf Twitter verlinkt werden. Aber mit solchen Inhalten beschäftigen sich ja nicht die Monitoring Anbieter, das übernehmen Plattformen wie Virato.de oder 1000 Flies. Und das finde ich verdammt schade.
Beim Social Media Monitoring steht in der Regel neben dem Kommunikationsvolumen die inhaltliche Auswertung der Beiträge im Vordergrund. Wie hoch ist der Anteil der "Diskussionen", die direkt über Twitter zu diesem Thema durchgeführt werden und in wie vielen Tweets sprechen sich die User für bzw. gegen das Leistungsschutzrecht aus? Auch das erfahre ich leider nicht in diesem Artikel.

Nein die Inhaltsanalyse von Valuescope zeigt,
"dass insbesondere "Google", "Igel", "Piraten", "RAStadler", "Keese", "Springer", "DJV" sowie "Presseverlage" am meisten in der Diskussion um den neuen Gesetzesantrag zu finden sind."
Was sagt uns das? Mir sagt das, dass man unbedingt einen Artikel zu dem Thema schreiben wollte, aber keine Zeit für eine ausführliche Analyse hatte. Der Mehrwert ist gleich Null. Ich bekomme hier ein paar Begriffe aufgelistet, aber der Kontext fehlt komplett. Schön zu sehen, dass anscheinend in vielen Tweets der Twitteraccount des Juristen Thomas Stadler erwähnt worden ist. Mit einem Blick in die Beiträge hätte man das auch sehen können, aber die Mühe wollte man sich für den Artikel wohl nicht machen.

Dann gibt es noch den tollen Hinweis, welche fünf "Einzelquellen" am wichtigsten sind:

  • Twitter (11.066)
  • Forum westline (1033)
  • Facebook (965)
  • Rivva (300)
  • Webwork community (287)

Rivva ist ein Linkaggregator, der einen Überblick über News aus dem Web bietet, auf der Seite selbst werden jedoch keine Diskussionen über das Leistungsschutzrecht durchgeführt. Auf Facebook wurde wahrscheinlich, wie bei Twitter, in vielen Fällen auf einen Artikel verlinkt.
Dann haben wir das Forum Westline, in dem seit dem 1. Dezember über 1000 Beiträge über das Leistungsschutzrecht verfasst worden sein sollen. westline ist ein Forum für die Region Westfalen, in dem hauptsächlich über Fußball diskutiert wird. Hier wäre es also sehr interessant zu wissen, was die Fußballfans in Zusammenhang mit dem Leistungsschutzrecht interessiert und bewegt.
Ich habe mal eine Stichprobe gemacht und festgestellt, dass der Begriff "Leistungsschutzrecht" bei einigen Forenmitgliedern Bestandteil der Signatur ist. Und da wären wir wieder mal bei der Herausforderungen der Datenextraktion, bei der so manch ein Social Media Monitoring Anbieter so seine Probleme hat.


So etwas verwässert dann mal schnell die ganze Statistik. Auch bei der Webwork Community kann ich nicht mal ansatzweise die 287 Beiträge über das Leistungsschutzrecht identifizieren.

Mein Fazit zum Artikel habe ich in den letzten Tagen bereits in einem Tweet formuliert:
Liebe Monitoring Anbieter, gebt euch bitte mal ein bisschen mehr Mühe beim Verfassen von Artikeln. Das gilt natürlich auch für die ganzen Berater die schon immer mal einen Artikel über die wichtigen Elemente von Social Media Montitoring oder die tollsten Tools verfassen wollten. Lasst es sein, bitte!

Update: Sowohl die pressrelations GmbH als auch Valuescope haben bereits eine Stellung zum Thema abgegeben bzw. signalisiert, das sie Interesse an einem Austausch/Hangout zum Thema Leistungsschutzrecht haben. Anna (Forschungsweb) und ich werden in den nächsten Tagen in die Richtung etwas organisieren.

Kommentare:

  1. Hi Steffi,
    Du hast vollkommen Recht, eine detaillierte Stellungnahme zu den Einflüssen des geplanten Leistungsschutzrechts ist es nicht. Und auch Deine Kritik bzgl. der Qualität und Tiefe von Monitoring-Ergebnissen ist richtig.

    Aber das war nicht der Punkt, den ich meinte, als ich über Twitter darauf hinwies. Was mich dazu bewegt hat, ist, dass es überhaupt ein erster zaghafter Versuch eines Anbieters war, sich in einem Artikel zum Thema das Leistungsschutzrecht zu äußern. Welche Konsequenzen Monitoring-Anbieter durch das geplante Gesetz tragen müssten, ist aus der öffentlichen Debatte des LSR recht deutlich abzulesen. Sollten auch Monitoring-Firmen Lizenz-Gebühren für die zur Verfügung gestellten Snippets bezahlten müssen, werden sie das den Kunden in Rechnung stellen, womit die Monitoring-Preise um ein Vielfaches steigen werden. Damit sind nicht nur Anbieter, sondern auch Anwender von der geplanten Gesetzesinitiative betroffen.

    Als ich vor ein paar Monaten über Twitter öffentlich die Monitoring-Firmen um eine Stellungnahme gebeten habe, da hat sich keiner dazu geäußert, obwohl sehr viele davon zu meinen Followern gehören. Daher war ich erstaunt nun von Valuescope den Artikel zu lesen. Das war der eigentliche Hintergrund meines Tweets.

    In Eins-zu-Eins-Gesprächen geben Vertreter der Monitoring-Firmen oft zu, dass das Leistungsschutzrecht Auswirkungen auf die Kostenseite der Monitoring-Firmen haben wird. Aber die Mehrheit möchte erst einmal still abwarten, wie sich der Prozess entwickelt, bevor konkrete Schritte unternommen werden. Das eine oder andere Gespräch mit entsprechenden Rechtanwälten hat die Geschäftsführungen der Monitoring-Firmen offensichtlich zur Taktik des Abwartens verführt. Soll sich doch erst einmal Google gegen die Zeitungsverlage zur Wehr setzen. Dass man dagegen auch gemeinsam als Monitoring-Branche die Stimme ergreifen könnte und sich diversen Initiativen anschließen könnte, damit die Ausgestaltung des Leistungsschutzrechts nicht fatale negative Folgen (nämlich drastische Erhöhungen der Monitoring-Preise) haben wird, wird nicht in Betracht gezogen. Was unterdessen Lobbyisten hinter verschlossenen Türen vorantreiben, dass entzieht sich natürlich der Öffentlichkeit und demnach auch meinem Urteil. Gespräche mit den Geschäftsführungen und auch mit Social Media Anwälten lassen aber derartiges nicht vermuten.

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    1. Genau das fand ich ja so schade an dem Artikel. Ich habe mich wirklich gefreut als ich deinen Tweet gelesen habe, weil mir die Problematik im Ansatz ja auch bekannt ist. Ich haben deinen Tweet auch gar nicht kritisiert und ich finde es auch gut, dass das mal thematisiert wird. Aber doch bitte nicht so.

      Wenn man das Thema anschneidet, warum dann nicht in dem Artikel darauf eingehen und genau die Punkte mal skizieren, die du jetzt aufgelistet hast. Anstatt dessen macht man eine oberflächliche Analyse. Damit sensibilisiert man doch nicht auf die Problematik. Der Kunde oder der Blogleser der sich nicht näher mit dem LSR beschäftigt hat, kann damit überhaupt nichts anfangen und kann die daraus resultierenden Konsequenzen überhaupt nicht ablesen. Dann lieber in ein paar kurzen Punkten auf die Probleme hinweisen und die Analyse komplett weglassen.

      Auch wenn ich an der Analyse selbst kein gutes Haar lasse, habe ich ja auch geschrieben, dass ich die Thematisierung von dieser Problematik wichtig finde. Vielleicht gibt es auf den Artikel jetzt den einen oder anderen mutigen Anbieter, der das Thema einmal anschneidet. Ich fände es auch interessant, so etwas mal in einem Hangout zu diskutieren. Und ihr habt ihr auf dem Monitoring Forum jetzt auf jeden Fall genug Diskussionsstoff ;)

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  2. Deine ehrliche Meinung zu den Artikeln der Monitoringanbieter, insbesondere zu dem von Valuescope.
    Leider gibt es eine immer grössere Zahl von Agenturen, die Monitorings anbieten, dabei aber vergessen, dass hier insbesondere der qualitative Analyseaufwand Kostentreiber Nummer Eins ist. Daher liefern viele nur reine Zahlen und sinnlose Keywordclouds, da sich das auf Knopfdruck erstellen lässt. Qualitative Analyse, Kodierung der Beiträge hinsichtlich einer Fragestellung und kontextabhängige Interpretation findet oft nicht statt. Denn das kostet Geld. Jeder Kunde versteht diese Argumentation.
    Big Data heisst nun nicht nur Aggregation von grossen Datenmengen sondern bedeutet immer noch, dass das menschliche Auge unersetzbar ist.

    Nur was das LSR nun für Monitoribg genau heisst, haben wir hier noch nicht geklärt :)

    Weiter so mit mutigen Blogbeiträgen!

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  4. Hat das geplante Hangout/Austausch zum Thema Leistungsschutzrecht und Monitoring stattgefunden? "Neue" Erkenntnise zu diesem Thema? Danke schon mal im Voraus...

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